20.09.2026
Mindestens 34 ehemalige hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter
In den Reihen der AfD befinden sich mindestens 34 ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Zu diesem Ergebnis kam eine Recherche von CORRECTIV, die anhand von MfS-Personaldaten und einer AfD-Mitgliederliste die ehemaligen hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter identifizierte. Die Recherche stammt vom August 2024 und bezeichnet die Zahl ausdrücklich als „mindestens 34“. (correctiv.org)
Dabei handelt es sich nicht um Menschen, die lediglich irgendwann mit der DDR-Staatssicherheit in Kontakt kamen. Hauptamtliche Mitarbeiter bildeten nach Darstellung des Bundesarchivs die personelle Basis des MfS. 1989 beschäftigte der Apparat 91.015 hauptamtliche Mitarbeiter. Das Bundesarchiv bezeichnet sie als den „gewaltsamen Kern kommunistischer Machtausübung“ und beschreibt sie als staatsloyale Dienstklasse, die sich selbst als „Tschekisten“ und „Parteisoldaten“ verstand. (Stasi-Unterlagen-Archiv)
„Schild und Schwert der Partei“
Das MfS verstand sich selbst als „Schild und Schwert der Partei“ – der SED. Auch in der historischen Forschung und beim Bundesarchiv gilt die Staatssicherheit als Herrschaftsinstrument der SED. Die politische Linientreue war für die Rekrutierung des hauptamtlichen Personals von zentraler Bedeutung. Das Bundesarchiv schreibt, entscheidend seien vor allem „unbedingte politische Linientreue“ und die Bereitschaft zur strikten Abschottung gewesen; eine SED-Mitgliedschaft war demnach nahezu unverzichtbar. (Stasi-Unterlagen-Archiv)
Die Stasi war damit kein gewöhnlicher Geheimdienst. Ihre zentrale Aufgabe bestand darin, Widerstand und Opposition gegen die SED-Diktatur zu erkennen und „im Keim zu ersticken“. Dafür unterhielt das MfS einen umfassenden Überwachungs- und Ermittlungsapparat. (Stasi-Unterlagen-Archiv)
Brutale Verfolgung von Oppositionellen
Die politische Repression reichte von Überwachung und Ermittlungen bis zu Verhaftungen und langjähriger Haft. Das Bundesarchiv dokumentiert die strafrechtliche Verfolgung politischer Gegner durch die Staatssicherheit und beschreibt, wie die gesetzlichen Möglichkeiten der DDR genutzt wurden, um das Primat der politischen Führung durchzusetzen. (Stasi-Unterlagen-Archiv)
Besonders berüchtigt waren die sogenannten Zersetzungsmaßnahmen. Das MfS versuchte damit, oppositionelle Gruppen und einzelne Gegner gezielt zu spalten, Beziehungen zu zerstören und Betroffene psychisch zu zermürben. Das Bundesarchiv spricht von einer systematischen politischen Verfolgung; die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die Zersetzung als eine Form verdeckten Psychoterrors gegen Oppositionelle. (Stasi-Unterlagen-Archiv)
Auch in den Untersuchungshaftanstalten der Staatssicherheit wurden Menschenrechtsstandards systematisch verletzt. Eine vom Bundesarchiv veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung über das MfS-Gefängnis in Rostock dokumentiert erheblichen psychischen Druck und harte Verhörmethoden. Das Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen war zudem ein zentraler Ort für Verfahren gegen politische Gegner und Dissidenten; nach Angaben des Bundesarchivs wurden dort zwischen 1951 und 1989 rund 11.000 Menschen untersuchtshaftiert. (Stasi-Unterlagen-Archiv)
Heute für die AfD aktiv
Zu den bekannten Fällen gehört Enrico Komning, heute AfD-Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion. Seine offizielle Bundestagsbiografie weist aus, dass er von 1988 bis 1991 beim Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ diente. Diese Einheit war dem Ministerium für Staatssicherheit zugeordnet. (Deutscher Bundestag)
Auch Peter Drenske, AfD-Abgeordneter im brandenburgischen Landtag, diente von 1979 bis 1982 beim Wachregiment „Feliks Dzierzynski“. CORRECTIV führt ihn unter den früheren Stasi-Mitarbeitern in den AfD-Strukturen. (correctiv.org)
Ein weiterer von CORRECTIV recherchierter Fall ist Frank-Ronald Bischoff, der als Offizier im besonderen Einsatz für das MfS tätig war und seine Tätigkeit im DDR-Staatsapparat verdeckt ausübte. Auch er war anschließend in AfD-Strukturen aktiv. (correctiv.org)
Vom SED-Apparat in die AfD
Die historische Tatsache bleibt damit bemerkenswert: Menschen, die ihre berufliche Laufbahn als hauptamtliche Mitarbeiter eines kommunistischen Geheimdienstes begonnen hatten, der nach dem Selbstverständnis seiner Führung als „Schild und Schwert“ der SED die bestehende Herrschaft schützen und ihre Gegner bekämpfen sollte, engagieren sich heute in der AfD.
Der Bundesarchiv-Befund zum hauptamtlichen MfS-Personal ist dabei eindeutig: Es handelte sich um einen politisch streng selektierten Apparat, dessen Mitarbeiter sich dem Schutz des SED-Systems verpflichtet hatten und dessen Tätigkeit einen wesentlichen Bestandteil der politischen Repression in der DDR bildete. (Stasi-Unterlagen-Archiv)
